Wacholder

  • geschützt

JUNIPERUS COMMUNIS L.

Zypressengewächse, CUPRESSACEAE

Volksnamen: Feuerbaum, Krammetsbeerenstrauch, Kranawitten, Kranewitt, Machandel,
Reckholder, Weckhalter, Weihrauchbaum.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile: Die Früchte und das daraus gewonnene ätherische Öl.

Drogenbezeichnung: Wacholderbeeren = JUNIPERI FRUCTUS (früher: FRUCTUS JUNIPERI)‚
Wacholderbeeröl = JUNIPERI AETHEROLEUM (früher: OLEUM JUNIPERI).

Botanik: Pflanzenbeschreibung: Der Wacholder kommt entweder als niederliegender Strauch oder aber als größerer säulenförmiger Baum mit anliegenden Zweigen vor. Die etwa 1 cm langen Blätter, nadelförmig ausgebildet, starr und spitz, stehen zu dreien oder selten auch zu vieren wirtelig beieinander. Die Blüten sind getrenntgeschlechtlich: Es kommen die weiblichen und männlichen nur auf verschiedenen Pflanzen vor. Unscheinbar und grünlich gefärbt, fallen sie kaum auf. Nach der Befruchtung reifen die beerenartigen Früchte (botanisch sind es Zapfen) heran. Bis zur Reife vergehen drei J ahre. Reife Früchte sind kugelrund, blauschwarz und im Durchmesser 5 bis 8 (bis 10) mm groß. Die dreistrahlige Spalte erinnert daran. daß es eine Zapfenfrucht ist.

Blütezeit: April bis Mai.

Vorkommen: ßerghänge, Heiden und Moore, Unterholz in lichten Wäldern und Triften. 

Wacholder 2
Wacholder 2

Ernte und Aufbereitung: Wegen der spitzen nadeligen Blätter ist das Pflücken der reifen Beeren eine sehr mühsame Sache. Deswegen hilft man sich auf andere Weise. Man breitet Tücher auf dem Boden aus und klopft die reifen Beeren ab. Dann werden die mit den Beeren heruntergefallenen Zweigteile und vor allen Dingefi die trockenen Blätter (Nadeln) sorgfältig entfernt und die Früchte an einem luftigen Ort getrocknet. Emtezeit ist Oktober. 

Inhaltsstoffe (Wirkstoffe): Der Wirkstoff ist das ätherische Öl. 

Heilwirkung und Anwendung: Wacholderbeeren wirken wassertreibend. Der Angriffspunkt liegt direkt im Nierengewebe. so daß wegen der Reizwirkung auf dieses Organ nur Patienten mit gesunden Nieren und auch diese nicht über sehr lange Zeit mit Wacholderbeeren oder Wacholderöl behandelt werden dürfen. Neben der wassertreibenden Eigenschaft kennt man eine günstige Wirkung der Wacholderbeeren gegen rheumatische Beschwerden. 

Die von Kneipp empfohlene Kur ist immer noch sehr beliebt: Man beginnt damit, daß man 3mal am Tag 1 Beere zerkaut und schluckt, steigert täglich um 1 Beere, bis man bei 3mal 20 Beeren pro Tag angelangt ist, um dann absteigend wieder mit 3mal täglich 1 Beere die Kur zu beenden. Dann muß eine Pause von mehr als einem Monat erfolgen. Doch bevor man diese Kur anwendet, sollle man mit dem Arzt darüber sprechen. 

Es gibt viele wassertreibende Teemischungen, die Wacholderbeeren enthalten. Eine von ihnen sei hier genannt.

  • So wird die Teemischung bereitet: 

Wacholderbeeren   10,0

Liebstöckelwurzel   10,0

Hauhechelwurzel   10,0

Süßholzwurzel   10,0

2 gehäufte Teelöffel dieser Mischung mit 1/4 l kochendem Wasser übergießen. 10 Minuten ziehen lassen. nach dem Erkalten abseihen und täglich 1 bis 2 Tassen Tee trinken. - Das Wacholderöl ist Bestandteil vieler Rheumaeinreibungen in flüssiger Form oder als Salbe. Auch wird es zu Inhalationen bei Bronchitis gebraucht.  Das BGA nennt Verdauungsbeschwerden als Indikation (Heilanzeige) für Wacholder.

Wacholder als Hausmittel: In der Volksmedizin spielt diese Heilpflanze eine ganz besondere Rolle. Man verwendet die Beeren als appetitanregendes Mittel‚ gibt einen Wacholderbeeren-Tee gegen Husten‚ zur Entwässerung, gegen übelriechende Durchfälle, gegen Blähsucht, Sodbrennen, Galle - und Leberleiden und gegen rheumatische Erkrankungen im weitesten Sinne. Vieles geht auf die Empfehlung von Sebastina Kneipp zurück.

  • So wird der Wacholderbeeren-Tee zubereitet:  1 Teelöffel voll zerdrückter Wacholderbeeren mit 1/4 l siedendem Wasser übergießen und 10 Minuten lang ausziehen. 

Aus den Beeren bereitet man einen WacholderSpiritus zur innerlichen und äußerlichen Anwendung. Die Herstellungsvorschriften dafür sind meist alte Überlieferung und unterscheiden sich sehr voneinander, besonders was die Stärke des Alkohols angeht. Mit 70% igem Alkohol angesetzt, wird der Spiritus erfahrungsgemäß am besten.

  • So wird Wacholder-Spiritus bereitet: 100 g Wacholderbeeren werden, gut zerdrückt, mit 500 g Alkohol (70 %) übergossen und unter häufigem Umschütteln 14 Tage lang ausgezogen. Dann wird abgeseiht und in eine frische Flasche umgefüllt. Damit kann man einreiben oder die obengenannten Beschwerden auch innerlich behandeln: 3mal täglich 20 Tropfen auf 1 Stück Zucker. 

Aber immer ist zu bedenken, daß Wacholderbeeren die Nieren reizen können, und das gilt natürlich auch für die Zubereitungen. 

Daß Wacholderschnäpse zu den beliebten »Klaren« gehören, ist sicher bekannt; daß sie die Verdauung fördern, sei hier hinzugefügt.

Verwendung als Gewürz: Wacholderbeeren sind ein sehr beliebtes Gewürz, das die Speisen bekömmlicher macht. Das an sich schon sehr gesunde Sauerkraut erfährt durch WacholderWürze eine weitere Bereicherung außerdem alle dunklen Saucen und viele Fleischgerichte, ja selbst Fisch. Man kann die ganzen Beeren bei der Bereitung der Gerichte mitkochen oder sie auch zerdrückt verwenden. Eines ist zu bedenken: Überwürzen sollte man nicht. Als Richtzahl möge gelten: 3 ganze Wacholderbeeren oder 2 zerdrückte Beeren pro Person reichen aus.

Nebenwirkungen: Neuere Erhebungen (Schilcher in Zeitschrift für Phytotherapie 4/94) haben ergeben, daß die bisher gültige Meinung, Wacholderbeeröl und auch Wacholderbeeren schädigten die Niere‚ revidiert werden muß. Es gibt dafür keine Beweise. Man sollte jedoch Überdosierungen vermeiden beziehungsweise bei akuten Nierenerkrankungen und in der Schwangerschaft auf die Anwendung von Wacholder verzichten.

Anmerkung: In der Volksmedizin ist auch das Wacholderholz als wassertreibendes Blutreinigungsmittel und als Mittel gegen Rheuma und Gicht gebräuchlich.

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