Steinklee

MELILOTUS OFFICINALIS (L.) PALL.
Schmetterlingsblütengewächse, FABACEAE (LEGUMINOSAE)

Volksnamen: Gelber Steinklee‚ Melilotenklee, Mottenklee.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile: Das Kraut.

Drogenbezeichnung: Steinklee(kraut) = MELILOTI HERBA (früher: HERBA MELILOTI).

Botanik: Pflanzenbeschreibung: Der Steinklee ist eine zweijährige Pflanze mit verästelten aufsteigenden oder aufrechten Stengeln. Die Höhe schwankt zwischen 50 und 150 cm. Die Blätter sind dreizählig und am Rand gesägt. In lockeren, achselständigen Trauben angeordnet, werden zahlreiche gelbe Schmetterlingsblüten ausgebildet. Die ganze Pflanze duftet nach Cumarin. Dieser Geruch verstärkt sich beim Trocknen erheblich.

Blütezeit: Juni bis August. 

Vorkommen: Kiesige Schuttplätze sind die Lieblingsstandorte des Steinklees. Aber auch an Wegrändem, auf Brachland und an Bahndämmen kommt er vor. - MELILOTUS ALTISSIMUS, der Hohe Steinklee, unterscheidet sich von der beschriebenen Art nur sehr wenig. Auch er wird in gleicher Weise arzneilich genutzt. - MELILOTUS ALBUS, der Weiße Steinklee mit weißen Blüten, soll weniger wirksam sein. 

Steinklee 2
Steinklee 2

Ernte und Aufbereitung: Man emtet das blühende Kraut, wobei man die oberen unverholzten Teile bevorzugt. Das Trocknen geschieht im Schatten. Temperaturen über 35°C sind zu vermeiden. Da sich das Aroma erst während des Trockenvorganges entwickelt‚ sollte man nicht zu schnell trocknen.

Inhaltsstoffe (Wirkstoffe): Melilotin‚ aus dem beim Trocknen durch enzymatische Spaltung Cumarin entsteht, Saponine, Gerbstoffe, Flavonoide, Schleim und etwas ätherisches Öl, vornehmlich in den Blüten. 

Heilwirkung und Anwendung: Die Wirkung der Pflanze erstreckt sich hauptsächlich auf die Venen. Man kann sagen, daß durch Steinklee die Kapillarresistenz (Widerstandskraft feinster Blutgefäße) gesteigert und die Kapillardurchlässigkeit herabgesetzt wird. Das Hauptanwendungsgebiet sind Krampfadern und Hämorrhoiden. Es gibt zahlreiche galenische Präparate, die innerlich gegen diese Leiden empfohlen werden, es gibt aber auch Salben, die Wirkstoffe des Steinklee enthalten. Wegen des schwankenden Gehaltes an Wirkstoffen in der Droge glauben viele Ärzte, auf die Anwendung des Tees verzichten zu sollen, doch meine ich‚ daß ein Tee gegen Venenleiden dennoch zu empfehlen ist. 

In der Monographie (erarbeitet von der Kommission E) des BGA steht unter dem Stichwort Anwendungsgebiete für den Steinklee und seine Zubereitungen: »Innere Anwendung: Beschwerden bei chronisch venöser Insuffizienz wie Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen, nächtliche Wadenkrämpfe, Juckreiz und Schwellungen. Zur unterstützenden Behandlung der Thrombophlebitis (Venenentzündung), des postthrombotischen Syndroms, von Hämorrhoiden und Lymphstauungen. — Äußere Anwendung: Prellungen, Verstauchungen und oberflächliche Blutergüsse.« 

  • So wird Steinklee-Tee bereitet: 1 bis 2 Teelöffel kleingeschnittene Droge mit 1/4 L kochendem Wasser überbrühen und 10 Minuten ausziehen. Nach dem Abseihen ist der Tee gebrauchsfertig;  2 bis 3 Tassen täglich ist die richtige Dosierung.

Anwendung in der Homöopathie: Das Homöopathikum Melilotus wird aus der frischen blühenden Pflanze bereitet. Man gebraucht es gegen heftige Kopfschmerzen, gegen Migräne und Nasenbluten. Kinder, die häufig Krämpfe bekommen, finden auch Linderung nach der Anwendung von Melilotus. D4 bis D6 sind die empfohlenen Verdünnungen, von denen zweistündlich, auf alle Fälle aber mehrmals täglich 5 bis 10 Tropfen genommen werden sollen. 

Steinklee als Hausmittel: Auch in der Volksmedizin wird der Steinklee häufig als Mittel gegen Krampfadern und Hämorrhoiden gebraucht. Man verwendet hauptsächlich den Tee, doch stellt man vielfach auch Salben her, die Schweineschmalz als Grundlage enthalten. Diese Salben gebraucht man zur Venenpflege und als Einreibung bei geschwollenen Beinen. Kräuterkissen mit Steinklee legt man auf entzündete Gelenke und Geschwülste. Furunkel und Karbunkel versucht man mit Kräuterkissen zu »reifen« oder zu »verteilen«. Und auch gegen Husten gebraucht man einen Tee aus Steinklee. Im alten Deutschen Arzneibuch aus dern Jahre 1926 (DAB 6), das erst 1968 außer Kraft gesetzt wurde, ist eine Kräutermischung unter der Bezeichnung SPECIES EMOLLIENTES (Erweichende Kräuter) aufgeführt, die Steinklee enthält. Dieser Mischung bedient man sich auch heute noch häufig, deshalb hier das Rezept.

  • So ist die Kräutermischung zusammengesetzt, und so wird sie verwendet: Eibischblätter, Malvenblätter, Steinklee, Kamillen, Leinsamen werden zu gleichen Teilen in grob gepulvertem Zustand gemischt und für Umschläge gebraucht. Man gibt sie in ein Leinensäckchen, hängt dieses etwa 10 Minuten in heißes Wasser und legt es dann auf die zu behandelnden Stellen. 

Nebenwirkungen: Im allgemeinen sind bei der Anwendung von Steinklee keine Nebenwirkungen zu befürchten. Gelegentlich kommt es bei empfindlichen Patienten nach der Einnahme des Tees zu Kopfschmerzen, was auf den Gehalt an Cumarin zurückzuführen ist.

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