Spitzwegerich

PLANTAGO LANCEOLATA L.

Wegerichgewächse, PLANTAGINACEAE

Volksnamen: Heufressa, Ripplichrut, Roßrippe, Spießkraut‚ Spitzfederich‚ Spitz - Wegeblatt, Wegetritt.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile: Die Blätter.

Drogenbezeichnung: Spitzwegerichblätter = PLANTAGINIS LANCEOLATAE FOLIUM

(früher: FOLIA PLANTAGINIS LANCEOLATAE).

Botanik: Pflanzenbeschreibung: Der Spitzwegerich ist ausdauemd. Die Blätter stehen in einer Grundrosette. Sie werden 20 bis 40 cm lang, sind schmallanzettlich, wenig behaart, am Rand nur gelegentlich mit kurzen Zähnen versehen und deutlich längsadrig. 3 bis 7 Blattnerven sind deutlich zu erkennen. Aus der Mitte der grundständigen Blattrosette entspringen 10 bis 40 cm lange aufrechte, blattlose Stengel, die Längsfurchen aufweisen. Am Ende dieser Stengel sitzt eine kurze walzliche bis kugelige Blütenähre mit unscheinbaren Blüten, sie bilden zierliche Staubgefäße aus, die zur Blütezeit lang aus den Blüten heraushängen.

Blütezeit: Mai bis September.

Vorkommen: Der Spitzwegerich gehört zu den häufigsten Heilpflanzen unserer Flora. Überall auf trockenen Wiesen, auf Feldern, Schuttplätzen und an Wegrändem ist er zu finden. Er kommt oft in Gesellschaft mit zwei anderen Wegericharten vor: dem Breitblättrigen Wegerich (PLANTAGO MAJOR L.), der breite ovale Blätter ausbildet und einen viel längeren Blütenstand auf kürzeren Stengeln trägt, und dem Mittleren Wegerich (PLANTAGO MEDIA L.), der in bezug auf die Blätter und den Blütenstand eine Mittelstellung einnimmt. Da auch diese (und andere) Wegericharten wirksam sind, ist eine Verwechslung nicht sehr bedeutend. Dennoch sollte der Sammler reinen Spitzwegerich einbringen.

Spitzwegerich 2
Spitzwegerich 2

Ernte und Aufbereitung: Man kann die Spitzwegerichblätter den ganzen Sommer hindurch sammeln Es ist aber besser, die frischen Blätter kurz vor der Blütezeit zu ernten. Auch sollte der Sammler darauf achten, daß er keine staubigen Blätter von Wegrändern sammelt; die Wiese ist der richtige Platz. Man kann hier wählerisch sein, weil der Spitzwegerich häufig vorkommt.

Inhaltsstoffe (Wirkstoffe): Schleim, Bitterstoffe. Flavonoide‚ Kieselsäure und das Glykosid Aucubin sind die Hauptwirkstoffe dieser Droge. Eine antibiotische Wirkung ist nachgewiesen.

Heilwirkung und Anwendung: Der Spitzwegerich ist ein ausgezeichnetes Hustenmittel. Sein Schleimgehalt, die tonisierenden Bitterstoffe und nicht zuletzt die Kieselsäure bürgen für die Wirkung, die in gewisser Beziehung der Wirkung von Huflattichblättern ähnelt. In neuer Zeit hat man außerdem antibiotisch wirkende Stoffe im Spitzwegerich gefunden. Man wurde darauf aufmerksam, als man bemerkte, daß der SpitzwegerichSaft, im Gegensatz zu anderen Pflanzensäften, wenig oder überhaupt nicht schimmelt. Sicher ist das Vorhandensein dieser Stoffe mit ein Grund dafür, daß vom Spitzwegerich bei fiebrigen Lungen- und Bronchialleiden eine so überzeugende Wirkung ausgeht Sowohl der Tee als auch die verschiedenen galenischen Zubereitungen werden verordnet. Eine besondere Stellung nehmen die Hustensäfte ein, die sehr häufig Auszüge aus dern Spitzwegerich enthalten. Es ist noch nicht so lange her, da war die Bezeichnung »Spitzwegerich-Saft« ein Name für Hustensäfte allgemein.

Auf der Packungsbeilage der Standardzulassung des BGA heißt es unter dem Stichwort Anwendungsgebiete: »Zur Reizlinderung bei Katarrhen der oberen Luftwege; Entzündungen der Mundund Rachenschleimhaut.« 

  • So wird Spitz wegerich-Tee bereitet: 1 bis 2 Teelöffel Spitzwegerichblätter werden mit 1/4 L kochendem Wasser übergossen und 15 Minuten ausgezogen. Nach dem Abseihen ist der Tee gebrauchsfertig. Süßen mit Honig ist empfehlenswert 2 bis 3 Tassen Tee täglich (die erste Tasse morgens noch vor dem Aufstehen) ist die richtige Dosierung.

Anwendung in der Homöopathie: In der Homöopathie verwendet man statt des Spitzwegerich den Breitblättrigen Wegerich (Breitwegerich), von dem auch schon die Rede war. Das Homöopathikum - aus der frischen Pflanze bereitet - heißt folglich Plantago major. Es verwundert zunächst‚ daß die Homöopathie den Wegerich nicht gegen Husten verwendet, sondern hauptsächlich bei Zahnschmerzen, Ohrenschmerzen, Neuralgien und bei Bettnässen einsetzt. Empfohlen werden die Urtinktur (Ø) und die Verdünnungen bis D3, wovon man mehrmals täglich 5 bis 15 Tropfen einnehmen läßt. Bei Ohrenschmerzen gebraucht man auch eine Verdünnung der Urtinktur mit Glycerin (1:1); davon gibt man einige Tropfen in das Ohr‚ Das Aucubin ist wohl hier für die Wirkung verantwortlich zu machen. Ganz allgemein scheint es sich um das Spaltprodukt des Aucubin, das Aucubigenin, zu handeln, das die antibiotische Wirkung des Spitzwegerich trägt. 

Spitzwegerich als Hausmittel: Es gibt nicht viele Heilpflanzen, deren Wirkung auch in der Volksmedizin so bekannt ist wie die des Spitzwegerich. Der Saft, aus frischen Blättern gepreßt, spielt eine große Rolle bei der Frühjahrskur, zur »Blutreinigung«. Auch zur Behandlung schlecht heilender Wunden gebraucht man den frischen Saft, der mit Kamillen-Tee verdünnt für Umschläge verwendet wird. Auf frische Verletzungen gibt man auch einfach die vorher gewaschenen und dann zerdrückten Blätter. Der Landwirt schwört darauf, doch da wir heute eine andere Vorstellung von guter Wundversorgung haben meine ich hier eine Warnung aussprechen zu müssen. Was ich aber uneingeschränkt gelten lasse ist das Überlegen zerdrückter Spitzwegerichblätter bei Insektenstichen; Juckreiz und Schwellungen verschwinden schnell. Der Spitzwegerich-Saft gegen Husten ist entweder eine fertige Arzneispezialität aus der Apotheke oder ein Hausmittel, das aus Frischsaft und Honig besteht. Die Vorschriften der Herstellung sind so unterschiedlich, daß es schwierig ist, die beste auszuwählen. Ich weiß noch‚ wie meine Großmutter das machte:

  • So wird Spitzwegerich-Saft bereitet: Frische Spitzwegerichblätter (im Winter aber auch den Tee) in einem Mörser verreiben, danach etwas Wasser zufügen und den Ansatz zum Sieden erhitzen. Ohne abzuseihen reichlich Honig dazugeben. 

Von dieser Mischung bei Husten und Fieber jede Stunde 1 Teelöffel nehmen. Der SpitzwegerichTee (Zubereitung wie beschrieben) wird bei Husten, Heiserkeit, Asthma und auch bei allgemeinen Erkältungskrankheiten häufig und mit Erfolg verwendet. Besonders der Keuchhusten soll auf Spitzwegerich gut ansprechen. 

Was man zusätzlich mit Spitzwegerich-Tee zu heilen versucht, verdient zwar erwähnt zu werden; ich bitte jedoch, es nicht als Empfehlung anzusehen. In der Volksmedizin gebraucht man Spitzwegerich-Tee auch bei Hämorrhoiden, bei Blasen- und Nierenleiden‚ bei zu starker Menstruation, bei weißem Ausfluß (besonders junger Mädchen) und gegen Spulwürmer. - Und wer regelmäßig Spitzwegerich-Tee trinkt oder die homöopathischen Zubereitungen einnimmt, der könne sich, so heißt es, das Rauchen abgewöhnen.

Nebenwirkungen sind nicht zu befürchten.

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