Lakritze

GLYCYRRHIZA GLABRA L.
Schmetterlingsblütengewächse, FABACEAE (LEGUMINOSAE)

Arzneilich verwendete Pflanzenteile: Die Wurzel.

Drogenbezeichnung: Süßholzwurzel = LIQUIRITIAE RADIX (früher: RADIX LIQUIRITIAE),
Süßholzsaft = LIQUIRITIAE succus (früher: SUCCUS LIQUIRITIAE).

Botanik: Pflanzenbeschreibung: Süßholz ist eine holzige mehrjährige Stande, die etwa 1 bis 1,5 m hoch wird. Sie besitzt ein ausgedehntes Wurzelsystem mit einer Pfahlwurzel, Nebenwurzeln und vielen sehr langen Wurzelausläufern. Die Blätter sind unpaarig gefiedert, die 9 bis 17 Fiederblättchen oval bis herzförmig und kurz stachelspitzig. Die Blütentrauben mit 20 bis 30 blaulila Schmetterlingsblüten entspringen den Blattachseln.

Blütezeit: Frühsommer.

Vorkommen: Süßholz ist im Mittelmeergebiet heimisch, vor allem in Spanien, Südfrankreich, Italien und Griechenland. Aber auch in Rußland‚ Persien und Syrien wächst diese Pflanze. Die Handelsware stammt größtenteils aus Kulturen; man unterscheidet die »Spanische Ware« aus Spanien, Südfrankreich und Italien von der »Russischen Ware« aus dem Wolgagebiet, dem Irak und aus China. 

Ernte und Aufbereitung: Im Spätherbst werden die Wurzelausläufer ausgegraben, gewaschen, meist geschält und an der Sonne getrocknet. - Der Süßholzsaft wird aus den Wurzeln durch Auskochen und Eindicken des Saftes im Vakuum gewonnen; daraus werden die Lakritzenstangen gepreßt oder gegossen

Inhaltsstoffe (Wirkstoffe): Glycyrrhizin (es ist etwa 50mal süßer als Zucker), Sterole und zahlreiche Flavonoide (Liquiritin, Liquiritigenin) sind die wichtigsten Wirkstoffe. 

Heilwirkung und Anwendung: Die Wirkung der Süßholzwurzel und des daraus bereiteten Saftes, der Lakritze, kann man als auswurffördemd, entzündungswidrig und krampflösend bezeichnen. Man verwendet Wurzel und Saft zur Behandlung von Husten, den Saft vor allem bei Gastritis und Magengeschwüren. In zahlreichen Teemischungen gegen Husten und Verschleimung ist Süßholzwurzel enthalten, auch recht häufig in Magentees. Als Einzeldroge hat sich Süßholzwurzel ebenfalls bewährt. 

  • So wird Süßholz-Saft gegen Gastritis und Magengesch würe eingenommen: Etwa 1 g Süßholzsaft wird in 100 ml heißem Wasser aufgelöst. Diese Lösung muß mäßig warm getrunken werden. - 2 bis 3 Portionen pro Tag.

Süßholz 2
Süßholz 2

Mein besonderer Rat: Zwei Teemischungen,  eine gegen Bronchitis, die andere gegen Magenbeschwerden, haben sich in der Praxis so gut bewährt, daß ich sie nennen möchte: 

  • Hustentee mit Süßholz: 

Süßholzwurzel 20,0

Isländisches Moos 10.0

Spitzwegerichblätter 10,0

Hagebutten ohne Kerne 10,0

  • Magentee mit Süßholz:

Süßholzwurzel 20,0

Kamillenblüten 20,0

Pfefferminzblätter 5,0

Tausendgüldenkraut 5‚0

Melissenblätter 50

Zubereitung für beide Tees —> Dosierungsanleitung und Art der Anwendung, rechte Spalte.

Süßholz als Hausmittel: Neben der beschriebenen Anwendung der Süßholzwurzel und des Süßholz-Saftes verwendet die Volksmedizin auch die gepulverte Wurzeldroge, mit Honig vermischt, bei Husten und anderen Erkältungskrankheiten: 1/2 Teelöffel Süßholzpulver.vermischt mit 1 Teelöffel Honig, 3mal täglich einnehmen. Bei Magengeschwüren und anderen Magenleiden wird empfohlen. kleine Wurzelstücke zu kauen. Das soll auch den »Kater« nach zuviel Alkohol lindern. Schließlich gilt Süßholzwurzel-Tee als mildes Abführmittel. 

Daß die Süßholzwurzel eine ausgezeichnete und wirksame Heildroge ist, steht außer Zweifel. Dennoch sind bei der Verwendung (das gilt sinngemäß auch für die Zubereitungen aus der Wurzel [Saft. Lakritze]) einige Dinge zu beachten. die das BGA im Beipackzettel für die Standardzulassung der Süßholzwurzel genannt hat. Hier der ganze Text der Packungsbeilage:

Anwendungsgebiete: Zur Schleimlösung und Erleichterung des Auswurfs bei Katarrhen der oberen Atemwege (Bronchitis). Zur Unterstützung der Behandlung von krampfartigen Beschwerden bei Magenschleimhautentzündungen (chronische Gastritis). 

Gegenanzeigen: Chronische Leberentzündung, Leberzirrhose, Bluthochdruck und Kaliummangel im Blut. 

Nebenwirkungen: Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch nicht bekannt. Hinweis: Bei längerer Anwendung von Zubereitungen aus Süßholzwurzel kann eine vermehrte Wassereinlagerung mit leichten Schwellungen‚ besonders im Bereich von Gesicht und Fußgelenken, auftreten. Die Natriumausscheidung wird vermindert, und die Kaliumausscheidung erhöht. Eine Erhöhung des Blutdrucks ist möglich.

Wechselwirkungen mit anderen Mitteln: Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch nicht bekannt.

Hinweis: Zubereitungen aus Süßholzwurzel sollen bei längerer Anwendung nicht gleichzeitig mit kaliumsparenden Diuretika‚ wie zum Beispiel Spironolacton, Triamteren oder Amilorid, gegeben werden. Aufgrund erhöhter Kaliumverluste kann die Wirkung von Herzglykosiden verstärkt werden. Durch verminderte Natrium- und Wasserausscheidung kann die Einstellung mit Arzneimitteln gegen Bluthochdruck erschwert werden.

Dosierungsanleitung und Art der Anwendung: Etwa 1 Teelöffel voll (2 bis 4g) Süßholzwurzel wird mit kochendem Wasser (ca. 150 ml) überbrüht, weitere 5 Minuten zum Sieden erhitzt und nach Abkühlen durch ein Teesieb gegossen. Soweit nicht anders verordnet, wird jeweils nach den Mahlzeiten eine Tasse Tee getrunken.

Dauer der Anwendung: Zubereitungen aus Süßholzwurzel sollen in hohen Dosen nicht länger als 4 bis 6 Wochen angewendet werden. Während dieser Zeit soll auf die Zufuhr einer kaliumreichen Kost (beispielsweise Bananen‚ getrocknete Aprikosen) geachtet werden.

Hinweis: Vor Licht und Feuchtigkeit geschützt aufbewahren.

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