Knabenkraut-Arten (Salep)

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ORCHIS MORIO L.

und weitere Orchis-Arten Knabenkrautgewächse, ORCHIDACEAE

Volksnamen: Johannishände, Orchideen, Salepkräuter.

Anneilich verwendete Pflanzenteile: Die Tochterknollen.

Drogenbezeichnung: Knabenkrautknollen (Salep) = SALEP TUBER (früher: TUBERA SALEP).

Botanik: Pflanzenbeschreibung: Wenn es sich um mehrere, ja sogar viele Arten handelt, die als Stammpflanze einer Droge dienen, so ist es schwierig, hier eine Beschreibung zu geben. Ich will dennoch versuchen, unsere einheimischen Orchis-Arten in der Gesamtheit zu beschreiben: Es sind ausdauernde mittelgroße Kräuter, die in der Erde kugelige bis eiförmige oder auch geteilte Knollen besitzen. Sie senden kahle Stengel und saftige Blätter an die Erdoberfläche, ihre Blüten stehen am Stielende in aufrechten Ähren. Die Blüten sind manchmal mit großen und gefärbten Tragblättem ausgestattet.

Blütezeit: April bis Juni, je nach Art.

Vorkommen: Auf Wiesen, an Böschungen und auch in Wäldern‚ je nach Art.

Knabenkraut-Arten (Salep) 2

Ernte und Aufbereitung: Bei uns sind die Orchis-Arten so selten geworden, daß man sie alle unter Naturschutz gestellt hat - man wird wohl kaum noch eine Sammelgenehmigung erhalten. Früher sammelte man die Wurzelknollen zur Blütezeit. Vor allem in der Rhön, im Odenwald und im Taunus waren sie häufig. Man nahm von den beiden Knollen die pralle Tochterknolle, wusch sie, rubbelte die verkorkten Stellen ab und legte sie in Wasser, das dann zum Sieden gebracht wurde. Nach 3 bis 5 Minuten wurde abgeseiht und mit kaltem Wasser abgeschreckt. Die gebrühten Knollen wurden zum Trocknen auf Darren ausgelegt, man trocknete bei künstlicher Wärme (50 bis 60 °C). Heute ist die Verwendung der Knollen nicht mehr erlaubt und der Handel mit der seltenen Pflanze strikt untersagt.

Inhaltsstoffe (Wirkstoffe): Die wichtigsten Wirkstoffe der Salepknolle sind die Schleimstoffe, um derentwillen die Droge gebraucht wird; sie sind bis zu 55 % darin enthalten. Stärke, Eiweiß, Zucker, etwas Fett und verschiedene Mineralstoffe kann man nur als Begleitstoffe ansehen.

Heilwirkung und Anwendung: Das »heilende« Prinzip aller Schleimdrogen ist die Reizmilderung durch Umhüllung der entzündeten Schleimhäute mit reizlosem Schleim. Deshalb eignete sich auch der Salep-Schleim zur Behandlung von Durchfällen und Reizerscheinungen in Magen und Darm. Besonders Kleinkinder sprachen auf solche Behandlung gut an. Darüber hinaus gebrauchte man den Salep-Schleim auch als Zusatz zu Arzneimitteln, deren Wirkstoffe entweder sehr schlecht schmeckten oder Schleimhautreizungen verursachen konnten.

  • So wurde Salep-Schleim bereitet:  Mittelfein gepulverte Salepknolle, 2 g, wurde mit 2 g reinem Alkohol in einer Flasche gut vermischt. Dann gab man 20 g siedendes Wasser hinzu und schüttelte kräftig durch. Das mußte so lange geschehen, bis keine Klümpchen mehr zu erkennen waren. Danach wurde mit kochendem Wasser auf 200 g aufgefüllt. Dieser Schleim war zum alsbaldigen Gebrauch bestimmt, weil er sich nicht lange hält. Bei Durchfall gab man 3- bis 5mal täglich jeweils 1 Teelöffel, bei Reizerscheinungen im Magen reichte eine dreima lige Einnahme täglich aus.

Salep (Knabenkrautknollen) als Hausmittel: Die Salepknollen, besonders die prall gefüllten Tochterknollen, gelten in der Volksmedizin seit Plinius, Dioskorides und Theophrast, den Gewährsleuten der mittelalterlichen KräuterbuchAutoren‚ wegen ihrer Form, die an menschliche oder tierische Hoden erinnert, und nach der Signaturenlehre, wonach jedes Ding durch Gestalt oder Farbe kundtue, wozu es nützlich sei, als Aphrodisiakum. Man behauptet, daß der Genuß frischer Knolien die Potenz erhöhe. Das ist aber nicht mehr als ein »frommer Wunsch«. Die Verwendung des Salep-Schleims bei Husten‚ Mundund Rachenentzündungen, bei Zahnfleischentzündungen und äußerlich als lindernde Umschläge auf Geschwüre und Geschwulste hatte jedoch ihre Berechtigung. 

Nebenwirkungen: Salep-Schleim zeigt keine Nebenwirkung, auch der Verzehr der frischen Salepknollen galt früher als unbedenklich. Die oberirdischen Teile hingegen sollten nicht gebraucht werden. Es kann zu Magenbeschwerden kommen.

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