Centorelle

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CENTAURIUM ERYTHRAEA RAFN (CENTAURIUM UMBELLATUM GILIB.)‚ (CENTAURIUM MINUS AUCT.), (ERYTHRAEA CENTAURIUM [L.] PERS.) Enziangewächse, GENTIANACEAE

Volksnamen: Centorelle, Fieberkraut, Laurinkraut, Magenkraut, Piferkraut, Sanktorikraut.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile:  Das Kraut. 

Drogenbezeichnung: Tausendgülden kraut = CENTAURII HERBA (früher: HERBA CENTAURII).

Botanik: Pflanzenbeschreibung: Das hübsche Tausendgüldenkraut wächst so versteckt, daß man es gar nicht so recht bewundern kann‚ zumal die Blüten auch nur bei strahlender Sonne vollständig geöffnet sind. Aus einer hellen Pfahlwurze] bildet sich ein vierkantiger Stengel, der 10 bis 50 cm hoch wird Die grundständige Blattrosette übersieht man meist‚ weil sie zur Blütezeit oft schon verwelkt ist‚ oder weil dichtes Gras sie zudeckt. Die Stengelblätter sind kreuzgegenständig angeordnet, länglich eiförmig oder lanzettlich und mit Längsadern versehen. In gabelförmiger Anordnung, doldenrispig zusammengesetzt, sitzen im oberen Teil der Pflanze zahlreiche Blüten. Umgeben von einem fünfzipfeligen Kelch, endet die weißliche Kronröhre in fünf roten Blütenzipfeln, die sich bei Sonnenschein sternförmig öffnen.

Blütezeit: (Juni) Juli bis September.

Vorkommen: Auf lichten Waldungen und feuchten Wiesen wächst das Tausendgüldenkraut. Es kommt nicht sonderlich häufig vor, doch ist es standorttreu.

Tausendgüldenkraut 2
Tausendgüldenkraut 2

Ernte und Aufbereitung: Tausendgüldenkraut darf bei uns nicht gesammelt werden. Wir beziehen die Droge aus anderen Ländern: Marokko, Jugoslawien, Bulgarien. Man gebraucht das ganze Kraut‚ das man über der Grundrosette abschneidet, bündelt und zum Trocknen an einem luftigen Ort authängt. 

Inhaltsstoffe (Wirkstoffe): Die Bitterstoffglykoside Amarogentin und Gentiopikrin sind die Hauptwirkstoffe des Tausendgüldenkrauts, das zu den reinen Bitterstoffdrogen zählt. Blüten und Stengel sind besonders reich an diesen Wirkstoffen, während in den Blättern nur wenig davon enthalten ist. Deshalb nimmt man die grundständige Blattrosette beim Sammeln auch nicht mit. Weitere Inhaltsstoffe: Flavonoide, Sterole sowie in Spuren Pyridin - und Aktinidin - Alkaloide.

Heilwirkung und Anwendung: Appetitlosigkeit, Magenschwäche mit mangelnder Magensaftsekretion (Absonderung), Störungen der Magenentleerung, Blähungen sowie Krampf- und Erschlaffungszustände des Magens und des Darms können mit einem Tee aus Tausendgüldenkraut erfolgreich behandelt werden. Die Bitterstoffe wirken schon nach Berührung mit der Mundschleimhaut, indem sie heilende Reflexe auslösen, danach direkt durch Aufnahme in den Körper tonisierend und stimulierend auf sämtliche Verdauungsvorgänge. Man sollte aber, und das gilt für alle reinen Bitterstoffdrogen, unterscheiden, um welche Magenfunktionsstörungen es sich handelt.

Beim saftlosen, erschlafften (»müden«) Magen ist eine Bitterstoffdroge wie Tausendgüldenkraut das Mittel der Wahl‚ während bei Übersäuerung‚ welche sich durch häufiges saures Aufstoßen zu erkennen gibt, Vorsicht anzuraten ist. Hier sind Mischungen mit anderen Heilpflanzen angezeigt: Kümmel, Fenchel, Amis, Melisse, Kamille und Pfefferminze bieten sich an, und wenn es darum geht, auch Beruhigung der Magennerven zu erreichen, kann man mit Baldrian und Johanniskraut die Wirkung unterstützen. Zu erwähnen ist, daß Bitterstoffdrogen (also auch das Tausendgüldenkraut) kreislaufwirksam sind. Das hat Professor Glatzl besonders für Enzian nachgewiesen. -Tausendgüldenkraut hat auch ein ganz spezifisches Anwendungsgebiet, nämlich die Anorexia nervosa‚ die psychogen bedingte Eßunlust junger Mädchen. Und noch etwas sei zum Lob des Tausendgüldenkrauts gesagt: Der Tee eignet sich auch bei nervöser Erschöpfung, über die sich Menschen, die körperlich und seelisch überbelastet sind - zum Beispiel berufstätige Hausfrauen und Mütter - sehr häufig beklagen. Und Patienten mit Gallensteinen können ihre unruhige Galle damit beruhigen und Koliken vorbeugen. Unter dem Namen Fieberkraut verwendet man neuerdings die Heilpflanze als Mittel gegen Migräne.

Das BGA hingegen nennt nur Magenbeschwerden durch mangelhafte Magensaftbildung und Appetitlosigkeit als mögliche Anwendungsgebiete und verzeichnet als Gegenanzeige Magenund Darmgeschwüre. 

  • So wird Tausendgüldenkraut-Tee bereitet: Er wirkt besser, wenn er kalt ausgezogen wird. Man übergießt 1 gehäuften Teelöffel zerschnittenes Kraut mit 1/4 L kaltem Wasser und zieht unter gelegentlichem Umrühren 6 bis 10 Stunden aus, seiht ab und erwärmt auf Trinktemperatur.

Der Tee soll vor den Mahlzeiten ungesüßt getru nken werden. Bei Bitterstoffen ist es sinnlos, den bitteren Geschmack durch Zucker überdecken zu wollen. Die Erfahrung lehrt jedoch, daß man sich beim Tausendgüldenkraut sehr schnell an den bitteren Geschmack gewöhnt.

Tausendgüldenkraut als Hausmittel: »Eine Arznei muß bitter schmecken, sonst nützt sie nichts«, sagt der Volksmund - was bitter schmeckt, ist auch beliebt. Beim Tausendgüldenkraut trifft dies zu. Ein Tee aus dieser Heilpflanze hilft bei Magenbeschwerden. In der Volksmedizin aber kennt man noch zahlreiche andere Anwendungsgebiete: Bei Bleichsucht und Blutarmut, Leberleiden und Fettsucht, zur Blutreinigung und bei Hautausschlägen gibt man häufig den Tee oder einen Tausendgüldenkraut-Wein.

  • So wird Tausendgüldenkraut-Wein bereitet: Pfefferminze und Tausendgüldenkraut (jeweils 30 g) und 1 ganze Zitrone (mit unbehandelter Schale, zerschnitten) werden mit 1 l leichtem Moselwein übergossen und etwa 10 Tage lang beiseite gestellt. Dann wird abgeseiht und in Flaschen gefüllt. Ein kleines Gläschen dieses »Arzneiweins«, bei Bedarf oder regelmäßig vor den Hauptmahlzeiten getrunken, soll stärken, den Appetit anregen‚ die Verdauung fördern und die Galle beruhigen. 

Nebenwirkungen: Nebenwirkungen sind nicht zu befürchten. Der bittere Geschmack der Droge verhindert ohnehin ein Zuviel.

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