Bibernelle

Große Bibernelle: PIMPINELLA MAJOR (L.)

HUDS. (PIMPINELLA MAGNA L.)

Kleine Bibernelle: PIMPINELLA SAXIFRAGAL.
Doldengewächse, APIACEAE (UMBELLIFERAE)

Volksnamen: Bockwurz, Pfefferwurz, Pimpernell, Steinpeterlein.

Anmerkung: Auch der Kleine Wiesenknopf (SANGUISORBA MINOR Scop) wird gelegentlich als Bibernelle oder Pimpinelle bezeichnet, so daß Verwechslungsgefahr besteht! 

Arzneilich verwendete Pflanzenteile:  Die Wurzel. 

Drogenbezeichnung: Bibernellwurzel = PIMPINELLAE RADIX (früher: RADIX PIMPINELLAE).

Botanik: Pflanzenbeschreibung: Die Große Bibernelle wird je nach Standort über 1 m hoch. Der Stengel ist kahl, hohl, gefurcht und bis zur Spitze entfernt beblättert. Die Blätter sind einfach fiederschnittig, die Blüten in 5- bis 12strahligen Dolden angeordnet, ohne Hüll- und Hüllchenblätter. Die Blüten sind weiß, oft rosa. Die Kleine Bibernelle ist deutlich zierlicher und kleiner.  Die mittleren und unteren Blätter sind feiner zerschlitzt.

Blütezeit: Juni bis August.

Vorkommen: Beide Arten kommen auf Wiesen, an Gräben und auf sonnigen Hängen, auf Schutthalden, an Ufern und auf Ödland häufig vor.

Bibernelle 2
Bibernelle 2

Ernte und Aufbereitung: Sorgfältig bestimmen Verwechslungsmöglichkeit mit anderen, giftigen Doldenblütlern! Die Bibernellwurzeln erntet man entweder im Frühjahr (März bis April) oder im Herbst (September bis Oktober). 

Nach dem Ausgraben werden sie von anhaftender Erde befreit, der Länge nach gespalten, zum Welken auf Bindfäden gereiht, luftig aufgehängt und nach 8 Tagen im Ofen schnell nachgetrocknet. 

Inhaltsstoffe (Wirkstoffe): Ätherisches Öl, Gerbstoffe, Saponine, Polyacetylene, Cumarine.

Heilwirkung und Anwendung: Sowohl die Droge als auch galenische Zubereitungen, besonders die Tinktur, werden bei Bronchitis und Asthma auch heute noch in der Schulmedizin gebraucht. In der Volksmedizin hält sich hartnäckig die Anwendung bei Halsentzündung.  Man trinkt den Tee, gurgelt aber vor dem Herunterschlucken damit oder verwendet ihn nur als Gurgelmittel. Das unbeirrte Festhalten an dieser Anwendung hat dazu geführt, daß besonders die Tinktur (PIMPINELLAE TINCTURA), von der man 30 Tropfen in ein Glas Wasser gibt, wieder häufiger zum Gurgeln gebraucht wird. 

  • So wird Bibernelle-Tee bereitet: 1 gehäufter Teelöffel der Droge wird mit 1/4 L kaltem Wasser angesetzt, langsam bis zum Sieden erhitzt,  1 Minute gekocht und dann abgeseiht. Bei Bronchitis und Asthma trinkt man 3mal täglich 1 Tasse Tee mit Honig gesüßt. Ungesüßt ist dieser Tee zum Gurgeln geeignet. Die Anwendung bei Magen- und Darmbeschwerden ist kaum noch üblich.

Mein besonderer Rat: Wenn man bei häufig wiederkehrenden Halsentzündungen mit einem Tee aus der Bibernelle gurgeln möchte, tut man gut daran, zwei andere Drogen hinzufügen. 

  • So wird die Teemischung bereitet: 

    Bibernellwurzel      20,0
    Kamillenblüten      20,0
    Blutwurzeln            10.0
    Die Zubereitung erfolgt wie oben angegeben.

Anwendung in der Homöopathie: Das Homöopathikum Pimpinella alba wird aus der frischen Wurzel beider Arten bereitet. Nasenbluten, Kopfschmerzen, Ohrgeräusche, Magen- und Darmstörungen sowie Bronchitis sind die wichtigsten Anwendungsgebiete, dabei wird das Mittel in den Potenzen D1 bis D6 verwendet. 

Bibernelle als Hausmittel: Den alten Griechen und Römern war Bibernelle nicht bekannt, denn sie kam im Gebiet des griechisch-römischen Reiches nicht vor. J. Th. Tabernaemontanus (1588) ist der erste Autor, der über sie berichtet. Demnach gibt es kein besseres Heilkraut als die Bibernelle; es würde Seiten füllen, alle Heilanzeigen aufzuführen. In der Volksmedizin ist die Bibernelle ein gern verwendetes Heilkraut bei Husten, Heiserkeit, Verdauungsstörungen, Gicht, Nieren- und Blasensteinen, Asthma, Wassersucht, Menstruationsstörungen, Sodbrennen und nervösem Herzklopfen. Sebastian Kneipp gebrauchte die Bibernelle bei Rheuma und Nierenentzündungen. 

Nebenwirkungen: Therapeutische Dosierung vorausgesetzt, sind Nebenwirkungen nicht zu erwarten.

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